Oedheimer Geschichte(n) - Doofgeschichten

 

Das vorliegende Werk wurde von mir gemacht und ist daher im tieferen und wahren Wortsinne kein Werk, sondern ein Machwerk.
Es zeichnet sich aus als ein buntes Gemix von Merk- und Unwürdigkeiten, in deren ziemlich vorderen Bereich der Macher selbst sich einzureihen gedenkt.
Vielleicht nicht ganz oben – zumindest aber an dritter Stelle nach Hoch- und Ehrwürden, denn Ordnung muss sein, Ehre wem Ehre gebührt und vor Ihro Majestäten oder Majestixen hab ich schließlich allen schuldigen Respekt und würde diesen daher nie so etwas ausrichten lassen, wie seinerzeit vor etwa einem halben Jahrtausend mein Fast-Nachbar neckarabwärts oberhalb von Neckarzimmern.

ApropoPopopopos Götz von Berlichingen …
Die Schwaben haben ihn zwar okkupiert, zu einem der ihren gemacht, zitieren gerne und oft den nach ihm benannten Gruß – in Wahrheit war Götz bzw. seine Hornbergburg aber im Badischen an- und aufsässig.
Die Grenze nämlich verläuft diesseits des Neckars gleich hinter Gundelsheim-Böttingen, und Neckarzimmern ist bereits großherzoglich und badisch.
Und eigentlich müsste der Götz-Gruß so wie so eher Göthe Gruß heißen …
Der Götz hat ihn ja vielleicht wirklich mal aus einem Fenster rausgebrüllt – der Göthe aber hat die Scheißhausparole aufgegriffen, weiterverbreitet und weltbekannt gemacht. Und Generationen von Schülern, vorzugsweise der neckarabwärtigen Gymnasien pilgern seitdem studienhalber nach Jagsthausen, um den Spruch zu hören, sich daran zu ergötzen und zu erfreuen und warten gebannt und gespannt darauf, wann er kommt und aus welchem Fenster er je nach aktueller Inszenierung herausgeschrien wird. Dann sind sie befriedigt, dann hat sich die Studienfahrt gelohnt, dann könnte die Exkursion respektive die Freiluftaufführung im Burghof eigentlich unverzüglich abgebrochen werden.
Der Goetz hat´s verursacht – vielleicht ja nur, weil er beim Scheißen gestört wurde und daher das Klofenster öffnete; der Goethe aber ist an Allem Schuld !

Anmerkung zu Neckarzimmern (aus Wikipedia – Stand Mai 2015):

Neuzeit
In seiner Moralischen Topographie aus den Jahren 1807/08 bemerkte Amtsarzt Dr. Gruber den hohen Anteil an Wahnsinnigen und Missgestalteten unter der Bevölkerung: Es ist sonderbar, das dahier so viele Dappen, Wahnsinnige u. Mißgestaltete zu finden sind. Besonders zeichnet sich hier das luthrische gemingische Ort Zimmern aus. Denen frisch gebohrenen Kindern sieht man an der Phisiognomie an, das sie Dappen werden ... Hier ist die Race [Rasse] nicht gut. Man kann annehmen, das überhaupt in dem [jeden] 5t. Haus ein Dapp oder ein Krüppel ist, wozu die Kröpfigen nicht gezählet werden.[4] Den landläufig weit verbreiteten Kröpfen begegnete man noch bis ins 20. Jahrhundert mit der Gabe von Jodpillen an den Schulen der Umgebung.[5]

Oedheim – von den Einheimischen Oede genannt –kann wahrhaft ein biblisches Alter auf- und beweisen. Eigentlich kommt es schon im zweiten Satz der Genesis, also der Schöpfungsgeschichte, im 1. Buch Mose, Vers 2 vor - nur nutzt der Verfasser dabei noch das Synonym „wüst“.

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Lutherbibel 1912
Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; …
Die bayerische Version des Textes kommt der Sache schon näher:
De Bibl auf Bairisch sagt nämlich:
Und d Erdn war oed und laer, finster war s über dyr Teuffn,
Der Prophet Jeremia präzisiert unser Heim dann im 4. Kapitel, Vers 23 – allerdings unterläuft ihm der bekannte Rechtschreibfehler, der den gelernten Oedheimer bis auf den heutigen Tag saumäßig ärgert:
Jeremia 4:23
Ich schaute das Land an, siehe, das war wüst und öde, und den Himmel, und er war finster.
Diese Schreibweise verzeiht der Alteingesessene – mit Verlaub – auch einem alttestamentarischen Propheten nicht. Ödheim mit Ö –unmoeglich!

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Glücklicherweise hat sich die hebräische Übersetzung nicht durchgesetzt... Kaum auszudenken wie Oedheim ansonsten heutzutage heißen würde!!!
Tohuwabohu (hebräisch rrs meist übersetzt mit ‚wüst und leer‘) bezeichnet ein heilloses Durcheinander und wird modernisiert mit „Wirrwarr“ und/oder „Chaos“ übersetzt.

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Später taucht es dann als geordnetes, gesittetes, kultiviertes und fruchtbares Land mit – vor allem – Apfelbäumen wieder auf: Eden wird das biblische Paradies benannt, in dem Adam und Eva leben. Und Eden schreibt sich Oedheim auch auf den ältesten vorhandenen Urkunden, Siegeln und Landkarten. Zufall kann das wohl nicht sein …
Fruchtbar ist man hier auch heute noch. Mehren tut man sich auch – die meisten jedenfalls und dies gemeinsam mit dem zugehörigen Weibe.
(Weib istein ebenfalls biblischer Terminus und daher keine Beleidigung oder gar Diskriminierung!) Insofern erfüllen wir ja die göttlichen Gebote. Und schaffe und Häusle baue tut man auch. Was eigentlich kein göttliches, sondern ein schwäbisches Gebot und mit harter Arbeit verbunden ist.
Müssten man aber eigentlich nicht, wenn Eva hingehört und ihre Pfoten von dem Apfel gelassen hätte …
Mer könntet heute noch im Paradies sein …
So aber sind wir rausgeflogen und müssen unser Brot, unser Häusle, unsern AUDI und unseren Roschtbrate mit Schpätzle un Soß im Schweiße unseres Angesichts erarbeiten.Und es ginge noch weit gnadenloser zur Sache, wenn´s net die IG Metall und den Theo gäbe bzw. gegeben hätte.
(Theo stammt zwar vom griechischen Begriff θεός = „Gott“; in diesem Fall ist aber der Theo aus Degmarn gemeint, der als wackerer AUDIaner, Betriebsratsvorsitzender und Schirmherr dafür sorgte, dass AUDI da bleibt, wo es hingehört und die Neckarsulmer AUDIaner nicht rausgeflogen sind, wie einstens Eva aus dem Garten Eden.)

Extrakt: Oedheim, Oede, Eden oder wie auch immer ist also bereits biblisch dokumentiert – nur mit Ö geht´s gar nicht! Und sein Name könnte daher auch so entstanden sein, dass der liebe Gott einst wohlwollend auf unser anmutiges Fleckchen Erde herabsah.
Es war alles andere als oed und leer. Als er jedoch das Tohuwabohu bemerkte, das Wirrwarr und das Chaos, das die Bewohner dieses alles andere als stillen Örtchens da unten manchmal anrichteten, seufzte nur „Oh Eden…“.
Das H aber hörte man nicht, und Oede hatte seinen Namen ab -von allerhöchster und oberster Stelle aus.

Ralph Walter/im April 2016

Der gemeine Heidelberger

(lat. homo heidelbergensis, ugsprl. Gelbfüßler)

Ich erfuhr am eigenen Leibe die Gnade der badischen Geburt ! Dank meiner Eltern und weiterer Vorfahren – sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits – ereignete sich diese schon sehr früh in meinem damals noch recht jungen Leben und prägte selbiges von da an durch meine nunmehrige Anwesenheit.
Als ich seinerzeit das Licht der Welt erblickte und dieses sowie die damit befasste Hebamme meiner ansichtig wurden, lief letztere schreiend davon. Auch ich schrie – aber nicht ihres Anblickes wegen, sondern weil mir sofort nach Beginn meines Daseins von irgendjemand mehrfach auf den Hintern gehauen wurde.
Trotz der mir so früh angetanen Gewalt wurde ich ein von Haus aus friedlicher Mensch und Bürger "dieses, unseres Landes" (Helmut Kohl) – nur wenn es gegen die Schwaben oder Pfälzer ginge, wäre ich sofort und mit wehenden Fahnen dabei.
Bei der obengenannten Geburt, die mich sehr persönlich traf und betraf, kam ich das erste und einzige Mal in meinem Leben zu spät und wurde daher nur ein verspäteter Aprilscherz.
Dass ich als Säugling meiner – mich in Augenschein nehmenden – Kinderärztin in hohem Bogen ins Gesicht pinkelte, als ich vor ihr lag, ist historisch verbürgt. Nicht hingegen, dass ich im zarten Kindesalter der heutigen schwedischen Königin Silvia im Sandkasten der Heidelberger Dantestraße das Eimerchen auf den Kopf schlug. Sie wuchs zwar unweit von mir um´s Eck herum auf, war aber zum damaligen Zeitpunkt bis auf den heutigen Tag fünf Jahre älter und reifer als ich.
Die Sache mit dem Eimerchen ist ein Gerücht, das wiederholt von Börje Agren – Gott hab ihn selig ! – bei Heidelberg-Touren mit schwedischen Austauschschülern und anderen Gästen aus dem hohen Norden verbreitet und auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrhaftiger wurde.
Königin Sommerlath, so hieß Silvia damals – ich bis auf den heutigen Tag nur Walter – habe ich nie persönlich kennengelernt. Auch mit Boris Bum-Bum-Becker hatte ich wenig bis keinen Kontakt. Ich begegnete ihm einmal auf einer Züricher Limmat-Brücke im Bankenviertel, aber er erkannte mich nicht.
Er besuchte zwar das gleiche Gymnasium wie ich – das Helmholtz in der Heidelberger Kettengasse, dies aber erst 20 Jahre nach mir.
Er machte dort die Mittlere Unreife – ich nur das Abitur. Er verdiente daher später ein Vielfaches - ich nur A11. Er kennt sich in Besenkammern und dem Rest der Welt aus – ich nur im beschaulichen Oedheim. Er hatte viele Frauen und Freundinnen – ich nur eine und nicht wenige. Er hat bisher zwei Biografien verbrochen – ich nur drei Heimatbücher und diverse Festschriften über Oedheim und seine Vereine. Er hat dicke Backen und kommt immer wieder im Fernsehen – ich nur eingefallene und komme nicht …
Im zarten Alter von 21 Lenzen verschlug es mich als Entwicklungshelfer ins Württembergische. Damals war man in diesem Alter gerade erst volljährig, dennoch ließ man mich sofort auf 34 Siebtklässler los, die kaum jünger waren als ich. Aus den meisten von ihnen wurde trotzdem etwas …
Am Unterlauf des Kochers fristete ich daher ab 1969 mein Dasein als Junglehrer, später Lehrer, Hauptlehrer und Konrektor – zu keiner Zeit aber als Oberlehrer.
Seit nunmehr bald 66 Jahren – "da fängt das Leben an" (Udo Jürgens) – nerve ich meine Umgebung durch bloße Anwesenheit. "Und das ist gut so" (Klaus Wowereit).
Kastenbrunnenwasser habe ich noch keines getrunken. Da kehrt man zwar angeblich dann immer wieder zurück – aber vermutlich nur auf den Abort, weil Dünnpfiff, flotter Otto oder so.
In den Kocher habe ich auch nie gespuckt, denn der fließt wenige Kilometer unterhalb in den Neckar und meine Spucke wäre in kurzer Zeit in Heidelberg. Und auf seine Heimat und Herkunft spucken ? Das tut man nicht !
Heute dämmere ich also in Oedheim respektive Bad Friedrichshall auf meine alten Tage vor mich hin, mache dreimal die Woche Retro Schau und diese ab und zu zu, wenn ich Zigaretten holen muss. Selbige besorge ich auf Teneriffa, weil es dort billiger ist und ich daher beim Rauchen bares Geld spare. Nur dauert es halt immer eine Woche …
Jetzt schlage ich demnächst noch meine 95 Pro-Thesen gegenüber der Mauritius-Kirche an. Vier goldene Gebisse habe ich dort ja schon.
Und weil das unbedingt auch in meinen Lebenslauf gehört und keinesfalls vergessen werden oder unerwähnt bleiben darf: Ich war auch schon in Degmarn und habe ein Dauervisum für die Einreise dort. Man kommt dorthin, wenn man kurz vor dem Wald links abbiegt.

Der gemeine Oedheimer

(lat. hippo bipperensius, ugsprl. Gäulbipper)

Herkunft und Wesen
Der gemeine Oedheimer – die hier genutzte maskuline Form gilt im Folgenden auch für alle femininen, feministischen und sonstigen Exemplare dieser Spezies – treibt sich schon seit Urzeiten und nicht erst seit Menschengedenken am Unterlauf des Kochers (keltisch: Cochana) herum. Dies beweisen Funde aus der Steinzeit: kunstvoll gebohrte Steinbeile und meisterhaft geschliffene Schaber, die im Heilbronner Museum ihre wohlverdiente Ruhestatt gefunden haben.
Oft tritt er in heutiger Zeit gehäuft auf – derzeit rund 6000-fach. An einigen besonderen Tagen des Jahres geschieht die genannte Häufung oder Haufenbildung sogar in geordneter Form, sei es beim Wallen, beim Stammtischsitzen im kleinen Pferd (ugsprl. Rössle) oder beim Ausüben der Sangeslust, wozu er sich gerne und regelmäßig in Vereinsform zusammenfindet.
Eine Filiale unterhält er seit den 1970er-Jahren im östlich gelegenen Degmarn, dessen Bewohner bei og. Zahl inbegriffen, aber deutlich in der Minderheit sind. Dies gleichen sie – bezogen auf das Einzelwesen - durch umso größere Lautstärke aus, was sich vor allem bei Handballspielen oder Volksbelustigungen ähnlicher Art bemerkbar macht.
Der Degmarner (lat. homo maconesius) als solcher unterscheidet sich in Art und Wesen ansonsten aber deutlich vom gemeinen Oedheimer, worauf bei sich bietender Gelegenheit gesondert einzugehen sein wird. Er ist eigen …

Auftreten und Verhalten
Der gemeine Oedheimer– also der Oedheimer als solcher oder an sich – schlappt schon seit jeher auf der falschen, der anderen Straßenseite die Sankt Mauritius-Kirche tangierend den Ort hinauf bzw. auch hinunter !
Ich hab ihm das seit Öffnung meines Saftladens zwar versucht abzugewöhnen und ihn probiert umzuerziehen: "Wenn dort drüben was los ist, geht Ihr auf der Seite der Kirche – wenn da nix los ist auf meiner !" Funktioniert hat´s aber bis heute nicht, da das mit der falschen – mir abgewandten – Seite in den Genen liegt, also angeboren ist und schon seit 1235 weitervererbt wird …
Daher habe ich auch darauf verzichtet bei der Kommune, die drei Häuser weiter oben auf meiner - also der richtigen - Seite angesiedelt ist, einen Zebrastreifen zu beantragen. Der wäre trotzdem ganz sinnvoll, vor allem wenn´s am Weinsberger Kreuz staut (also immer) und ich hier meine Verkehrszählungen mache.
Zurück zum Laden und der dortigen Sehensweise: Immerhin wurde ich schon als die Schweden jüngst da waren (nicht vormals im Dreißigjährigen Krieg) in den Oedheimer Kulturpfad und seine 1000 Schritte aufgenommen und zwar gleich nach dem Brunnenfräulein mit den Monstermöpsen und noch vor dem vergitterten Kastenbrunnen !
Jedenfalls war mein Saftladen seinerzeit gerammelt voll – vielleicht ja auch nur des Schnapses wegen (lupenreiner Genetiv !).
Allerdings sind danach sowohl Oedheimer als auch Degmarner und Degerforser wieder von hinnen geschlappt ohne sich zu verabschieden oder zu bedanken oder ihren Müll zu entsorgen. Macht aber nix – sie gingen jedenfalls auf der richtigen und unchristlichen Seite der Straße weiter.
Und am Müll merkt man immerhin, dass ein gewisses Interesse an meinem Etablissement vorhanden zu sein scheint. Jedenfalls interpretiere ich die Anzahl der Kippen vor meinen Schaufenstern nach den Wochenenden so.
Das nächste Problem für den Oedheimer als solchen – neben der falschen Straßenseite – wäre das Betreten meines Ladens. Man weiß ja nicht, was das überhaupt ist und soll und was da drin los ist …
Also schaut man zunächst mal nur von draußen, aber das auch nur ganz verstohlen und von der Seite. Per direktem Blickkontakt könnte man sich ja zu etwas verpflichten. Und man will ja schließlich net sou oder sou sage, sonst könnte es nachher heißen man hätte sou oder sou g´saacht.
Außerdem ist dieser Bereich der Hauptstraße auf dieser Seite sowieso eine etwas suspekte Zone, die nach dem Ochsenmetzger beginnt und erst vor dem Schultheißenamt wieder aufhört. Man geht da nicht ! Oder wenn, dann nur im Notfall, wenn´s nicht anders geht …

Tobi continued (Das ist Denglisch, falsch geschrieben und heißt zu Deutsch "Gehört noch fortgesetzt !")

Die 150-jährige xiāofángduì

Eine xiāofángduì (Feuerwehr oder auch 消防队) ist eine höchst bedeutsame Einrichtung und die Zugehörigkeit zu ihr verleiht dem πυροσβέστης , dem Feuerwehrmann, der erst in der jüngeren Vergangenheit auch weiblich sein kann bzw. darf, Ehre, Ansehen, Würde und Uniform.
Letztere nun sorgt darüber hinaus für Hochachtung, Rangordnung und Ehrenkäsigkeit – ganz wie der deutsche Mensch es braucht und von Haus und Natur aus gewohnt ist.
Nur der Name dieser Institution klingt in unserer Sprache etwas farb- und belanglos, wird ihrem Ansehen und Selbstverständnis wenig gerecht.
Wie oben gesehen gibt im Chinesischen oder Griechischen allein schon das Schriftbild mehr her. Auch im Russischen ist dieses weitaus eindrucksvoller, allerdings auch kantiger anzusehen, denn dort löscht der пожа́рный.
In der englischsprachigen Welt klingt deren Mission deutlich heroischer und pathetischer – hier kämpfen echte Männer nicht nur gegen Durst, Brand und Flammen, sondern sind als the firefighters in action.
Und im Spanischen oder Portugiesischen erledigen diese Aufgaben gar die bomberos/bombeiros. Ansatzweise klangmelodiös nahe kommen diesen nur die französisch-italienischen pompier(e)s. Die lateinischen siphonarii hingegen erinnerten mehr an Abflussreinigung und Meister Proper.
Dass das Ganze in Orten kleineren Kalibers meist ein freiwilliges Unterfangen ist, kleidet der Nieder- oder Holländer in sehr wohlklingende Silben. Im Flachland an der Nordseeküste, wo man morgens schon am Horizont sieht, wer nachmittags zum Kaffee kommt, rückt der vrouwelijke brandweerman aus und dämmt Flammen und Fluten ein. Am Bosporus und drum herum schließlich löscht der itfaiyeci, und da scheint fast schon ein etwas spielerisches Element mit- und durchzuklingen. Mit Feuer aber spielt man nun wahrhaftig nicht. Das mussten schon Dr. Heinrich Hoffmanns Paulinchen sowie deren Minz und Maunz erfahren.

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Soweit die lehrreiche Geschichte, warum Kinder nicht mit dem Feuer spielen sollten und was dabei herauskommt, wenn sie nicht auf ihre Eltern und ihre Katzen hören.
Auch spielerisch, aber deutlich weniger gefährlich war trotz dieses mahnenden Beispieles und tragischen Ausganges des Paulinchen-Brandes einst Oedheims Jugendfeuerwehr bei einer Übung zugange.
Man(n) war damals noch durchweg männlich und trainierte – so die Niederschrift der Truppe vom 6. November 1973 -„Arschtätscherles“.
Zusammen mit weiblichen Mit- neee Ohnegliedern - wäre das in damaliger Zeit unmöööglich, aus heutiger Sicht zwar denk- aber höchstwahrscheinlich auch strafbar gewesen. Von wegen sexueller Übergriffigkeit oder so …
Und Alkohol war vor 40 Jahren wohl auch im Spiel: „Den Neuen Wein brachten manche mit. Der Zwiebelkuchen wurde zuvor in der Backstube des Feuerwehrkommandanten gebacken. Anschließend wurde Arschtätscherles gespielt.“ – so das wörtliche Protokoll des Einsatzes.
Neuer Wein – verdauungsfördernd! Zwiebelkuchen – blähungsfördernd! Summa summarum:
Gefahr von heftigen – böigen bis orkanartigen – Mehrfach-Flatulenzen!
Und dann Arschtätscherles ??? Mann, oh mann !!!

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(Und in diesem Falle sollte Mann wohl besser Arschief statt Archiv schreiben …)
Immerhin trat der schwäbisch-fränkisch-alemannische Brandbekämpfungs-Nachwuchs geordnet und sortiert an – ganz im Gegensatz zu dem Chaos – biblisch-hebräisch: Tohuwabohu, das im kurpfälzischen Heidelberg herrschte, wenn´s im Hutzelwald mal wieder brannte …
Das bekannte Gedicht des Heidelberger Mundart-Revoluzzers (Nadler ist gemeint – nicht Hecker oder Walter) hier zu zitieren macht keinen Sinn, denn es ist in nordbadischem Dialekt gehalten und erschließt sich daher nur dem gelernten Gelbfüßler bzw. solchen, denen die Gnade der badischen Geburt zuteil wurde.

Ein Bild sagt aber auch hier mehr als viele, wenn auch gereimte, Worte:

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Nachbemerkung: RetroRalph stammt aus der Weststadt, die sich direkt an den Hutzelwald anschließt. Er versteht daher auch das Nadler`sche Gedicht ohne es zu kennen. Allerdings verschlug es ihn im zarten Jünglingsalter vom Hutzelwald zum Bautzenwald. Daher lernte er auch mit Chaos, Wirr und Warr. Minz und Maunz sowie mit Tohuwabohu umzugehen.

Ralph Walter/im April 2016

Es begab sich aber zur Frühjahrszeit, genauer gesagt am letzten Samstag des Wonnemonats anno 2014, dass Ralph einen Stammtischausflug nach Heidelberg zu organisieren und zu leiten hatte.
Als gebürtiger Neckarsume – damit also Kurpfälzer, Badener, Badenser und Gelbfüßler - beschloss er, diesen stilgerecht in gelben Socken anzuführen. Selbige wollte er bei einer Vortour in die Studentenstadt käuflich erwerben, nachdem das vielgepriesene Internet ihn immer wieder nur auf Fanartikel von Borussia Dortmund verwiesen und geleitet hatte.
In der Heidelberger Altstadt, unweit der Heilig-Geist-Kirche hoffte er in einem Wäscheladen fündig zu werden und begann eine diesbezügliche Konversation mit einem vor dem Schaufenster beschäftigten Menschen männlichen Geschlechts:

Ralph: "Guten Morgen – gehören Sie zu diesem Laden?"
Mann: "Ja, ich bin der Depp hier."
Ralph: "Trifft sich gut; haben Sie gelbe Socken?"
Mann – schaut an sich herunter:"Nein, ich hab weiße an!"
Ralph: "Ich möchte gelbe Socken für mich kaufen!"
Mann – ruft über die Schulter nach hinten in den Laden: "Erika, da will einer gelbe Socken …"
Mann – wieder zu Ralph gewandt: "Aber sonst ist alles in Ordnung?"
Ralph: "Ja schon – nur der PSA-Wert, der mit der Prostata, ist etwas zu hoch."
Mann: "Da kommt es weniger auf den PSA-Wert, sondern mehr auf den IQ an!"
Ralph: "Mit dem hab ich keine Probleme. Ich war lang genug dort drüben in der Kettengasse auf dem Helmholtz-Gymnasium."
Mann:" Warum wollen Sie gelbe Socken?"
Ralph: "Ich bin Heidelberger und will am Samstag einen Bus voll 50 Schwaben hierher führen und ihnen die Stadt zeigen."
Mann – ungläubig: "50 Schwaben ???!!! Laden Sie was Gescheites in den Bus und bringen Sie es hierher. Chinesen oder Koreaner zum Beispiel – die kaufen mehr, sehen besser aus und singen auch schöner !"
Ralph: "Sind Sie am Samstag gegen 10 Uhr hier?"
Ralph: "Dann erzähl ich am Samstag dort am Marktplatz den 50 Schwaben von diesem Gespräch. Sie haben kurz darauf dann einen vollen Laden …"
Mann – drohend: "Machen Sie bloß, dass Sie fortkommen !"

Ob Götz von Berlichingen – der mit der eisernen Hand und dem unflätigen Ausruf - jemals in Oedheim war oder durch die Kochertalgemeinde kam, ist historisch nicht mehr zu klären oder gar nachweisbar. Dass er diese unsere Kommune aber mit wenigen Kilometern – damals vielleicht noch Klaftern genannt – Abstand passierte, wenn er zwischen seiner Jagsthausener Kinderzeitbehausung und seinem Alterssitz, der Neckartäler Hornberg-Burg pendelte, muss jedoch fast zwangsläufig angenommen werden. Sicher ist, dass es zwischen Götz und Oedheim Bezüge gab und dass er auch hier Spuren hinterlassen hat, die bis in unsere aktuelle Zeit hineinreichen.

Götz wurde um 1480 geboren, also 245 Jahre nachdem Oedheim erstmals urkundlich erwähnt wurde. Seinen rechten Unterarm verlor er 1504 in einem Gefecht durch eine Kanonenkugel und ersetzen ließ er diesen durch die weltbekannte eiserne Prothese, die heute noch in Jagsthausen bzw. auf der Burg Hornberg zu bestaunen ist.

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Trotzdem war Götz weiterhin ein ziemlicher Rauhbautz, der keinem Händel aus dem Weg ging, der in Worten und Taten ein streitbarer Geselle blieb – egal ob es für oder gegen die Bauern oder für oder gegen die Obrigkeit, ja gar gegen den Kaiser ging. Und Bautze dieser Art waren bekannter Weise auch damals schon in unserer Gegend vor unserer Haustür nicht ganz unbekannt …

Ob er allerdings dem Kaiser tatsächlich das Angebot unterbreiten ließ, ihn im Arsche zu lecken, ist wohl eher eine Goethe-Erfindung als ein Götz-Ausruf. Fakt ist aber, dass es im und nicht am lautet – auch wenn es als sogenannter „schwäbischer Gruß“ immer wieder falsch zitiert wird!

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Dass später dann sein Grabmal im Kloster Schöntal in direkter Nachbarschaft zu dem eines Oedheimers, dem Wolf Christoph Capler, genannt Bautz sein würde, war beiden zu ihrer Lebzeit sicher noch nicht bewusst.

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Weitere Bezüge zu Oedheim, dem Nabel der Welt, stellten sich aber im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte nach seinem Tode ein. Traurige Berühmtheit erlangte Götz von Berlichingen dann 1945 am Ende des Zweiten Weltkrieges. Eine nach ihm benannte Einheit von jungen Soldaten kämpfte noch in den letzten Kriegstagen für eine schon längst verlorene Sache und ritzte ihre Spuren beim Rückzug in Bäume der Oedheimer Wälder. Hätte es damals nicht eine mutige Oedheimerin gegeben, die der englischen Sprache mächtig war, wäre unser Ort vermutlich noch ein weiteres Mal von den Amerikanern bombardiert worden und hätte noch mehr Opfer und Zerstörungen hinnehmen müssen, als dies eh schon der Fall gewesen war.

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Viel schöner ist Götzens letzte und jüngste Verbindung zu Oedheim: Ein direkter Nachfahre von ihm – die 19. Generation - wurde von einer Oedheimer Lehrerin zur Welt gebracht – allerdings geschah dies, nachdem sie an unserer Kochertalschule pädagogisch tätig gewesen war.

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Also: Zwischen Götz von Berlichingen und Oedheim gibt es bis in die Gegenwart ein paar Verstrickungen und Verbindungen.

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Die Familie (v.l.): Gottfried Freiherr von Berlichingen mit Frau Julia sowie sein Bruder Hans Sigmund mit Frau Sabrina und ihren Kindern. Foto: Katharina Müller Text: Vanessa Müller

Der wichtigste Unterschied aber ist und bleibt: Götz schreibt sich bis heute mit Ö wie Schönberg oder Schöntal, wo sein Grabmal ist - Oedheim hingegen mit OE wie Goethe, der den unflätigen schwäbischen Gruß erfand und diesen dem Götz in den Mund legte. Erst seit jüngerer Zeit ist übrigens bekannt und mit großer Sicherheit auch belegbar, das sich sogar Wolfgang Amadeus Mozart mit dem Ausruf befasste und diesem tatsächlich einen Kanon widmete. Dessen 1991 wiederentdeckter mutmaßlicher Originaltext:

Leck mich im A[rsch] g’schwindi, g’schwindi!
Leck im A[rsch] mich g’schwindi! Leck mich, leck mich, leck mich, leck mich, leck mich.
Leck mich, leck mich, leck – g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi!
G’schwindi, g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi!
Leck mich im Arsch g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi!
G’schwindi, g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi, g’schwindi!
Leck mich im Arsch g’schwindi, g’schwindi! Leck im A[rsch] mich.
Leck mich im Arsch g’schwindi!
Leck mich.

(Wikipedia weiß dazu:
Leck mich im Arsch ist ein sechsstimmiger Kanon von Wolfgang Amadeus Mozart. Seine Entstehung lässt sich auf das Jahr 1782 datieren. Zu Lebzeiten des Komponisten blieb das Werk ungedruckt, erst seine Witwe Constanze Mozart überließ es dem Leipziger Verlag Breitkopf & Härtel zur Publikation. Dort wurde allerdings der Text in „Lasst froh uns sein“ abgeändert. Der originale Text Mozarts war lange Zeit unbekannt, nur die Anfangsworte waren durch einen Eintrag im Verlagskatalog von Breitkopf & Härtel bekannt. Erst 1991 wurde in der Musikbibliothek der Harvard University ein Druck mit handschriftlich eingetragenen Originaltexten aufgefunden. Die Eintragung stammt zwar von unbekannter Hand, doch da die Texte weiterer Werke Mozarts in diesem Druck mit als authentisch erwiesenen Quellen übereinstimmen, wird dem Fund ein hohes Maß an Authentizität zugeschrieben.)

Mit schwäbischem Grüßle …
Ralph Walter

Klingt übertrieben – ist aber gar nicht sooo weit hergeholt. Da liefen in unserem beschaulichen Oedheim doch Fäden der Geschichte zusammen, da lebten die Vorfahren bekannter Personen, da waren wichtige Menschen zu Besuch, zu Gange und zu Gaste, da geschahen denkwürdige Ereignisse und da wurden Dinge präsentiert, die erst später von größerer Bedeutung werden sollten.
Auch verkehrstechnisch war und ist die Kochertalgemeinde wiederholt zentraler Punkt – jedenfalls immer dann, wenn´s auf der Autobahn am Weinsberger Kreuz staut und die PKWs, LKWs und EFWs (zum besseren Verständnis: Personenkraftwagen, Lastkraftwagen und Eselsfuhrwerke) die Umfahrung oder Abkürzung durch das Nadelöhr zwischen Mauritiuskirche und Krone bzw. RalphsRetroSchau wählen.
Dass schon vor Tausenden von Jahren auf dem Boden unserer Gemeinde Steinbeile geschliffen, gebohrt und produziert wurden, hatten wir schon. Dass hier – auf dem Lautenbacher Hof - des Kaisers Feldmarschall seine Gemahlin "parkte", so lange er nach China zum Kämpfen und Siegen abkommandiert war, ist auch schon eine 115 Jahre alte Story.
Dass der Ex-Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit immer wieder mal vor Ort war und ist, weil seine Schwägerin hier lebt, wurde auch schon genügend ausgedappt. Dass der jetzt amtierende – Michael Müller seit 11.12.2014 – gleich 21 Verwandte in Oedheim hat, weil so viele Müllers im Telefonbuch stehen, ist eine eher etwas wagemutige Spekulation …
Aber dass der Flügeladjutant – heute würde man das wohl persönlicher Referent nennen -des württembergischen Königs vor einem Jahrhundert von hier stammte, ist Fakt - jedoch auch nix Neues mehr.

Hauen wir also noch ein paar Nägel mit großen Köpfen rein, bevor wir zu den echten Sensationen kommen:

  • Der Großvater des 1986er-Physik-Nobelpreisträgers Gerd Binnig (Rastertunnelmikroskop für die, die was damit anfangen können) war Oedheimer…
  • Der Großvater von Ludwig Börne, nach dem ein bedeutender deutscher Literatur- und Journalismuspreis benannt ist, war Oedheimer …
  • Kessler-Sekt (auch wenn man in Esslingen davon nix mehr hören will und sich eventuell sogar ein wenig schämt dafür) war 1826 eine Oedheimer – genauer: Falkensteiner bzw. Neuhofer – Entwicklung.
  • Der Privathubschrauber des belgischen Königs Baudouin ist in Oedheim gelandet und immer noch hier, bei der Meravo nämlich, stationiert. Diese Sikorsky S58 ist die letzte ihrer Art in ganz Europa, die flugfähig ist und zu besonderen Gelegenheiten bis heute in die Luft geht.
  • Der erste deutsche Stuntman Arnim Dahl hatte bei Oedheim 1964 einen spektakulären Unfall, als er vom Dach eines fahrenden Zuges per Strickleiter in einen darüber fliegenden Hubschrauber klettern wollte.
  • Der Repräsentant der englischen Königin Elizabeth II. in Kanada, Generalgouverneur Edward Schreyer, war 1980 im Oedheimer Breitenweg zu Gast, als er dort seinen Cousin Johann Schreier zum Kaffee besuchte.
  • Der Showmaster Rudi Carell war 1988 in unserer Gemeinde, als hier für die Fernsehsendung "Lass Dich überraschen" ein Fallschirm-Tandem-Sprung gedreht wurde. Angeblich soll er wegen Falschparkens vor der Kreissparkasse dabei sogar einen Strafzettel bekommen haben …
  • Die heutige Badische Landesbühne hatte am 30. April und 1. Mai 1949 ihre allererste Aufführung – und zwar vor dem Oedheimer Bautzenschloss, wo zwei Mal "Jedermann" inszeniert wurde. Initiator und erster, langjähriger Regisseur war der Oedheimer Franz Mosthav.
  • Professor Dr. Heinrich Fries, Oedheimer Ehrenbürger und Namensgeber der längsten Straße vor Ort, war einer der bedeutendsten Theologen der Katholischen Kirche und so auch mit dem späteren Papst Benedikt nicht gerade befreundet, aber immerhin per Du.
  • Die drei großen B´s der musikalischen Weltgeschichte – Bach, Beethoven und die Beatles – waren wohl eher nicht in der Kochertalgemeinde. Die hat dafür aber ihre eigenen großen B´s hervorgebracht: Bohatsch, Bellon und Beißwenger. Nach Stefanie Bohatsch (Steffi Stern), Laura Bellon und Daniela Beißwenger kann man gockeln – sorry: googeln – oder gleich ihre Musik-CDs bestellen. Lohnt sich …
  • Und die internationale Erotik-Szene hatte in Oedheim auch ihre Dreh- und Angelpunkte. Gehen wir aber hier nicht näher d´rauf ein. Dies bleibt ein jugendfreier und ansatzweise wissenschaftlicher Beitrag … Eine besondere Beziehung hatte Oedheim zu Afrika:
  • Der Missionar und Sozialreformer in Südafrika Pater Bernhard Huss – ein Oedheimer – war mit dem indischen Widerstands- und Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi persönlich befreundet.
  • Auf dem Gelände der heutigen Schönberg-Wohnanlage war vor wenigen Jahrzehnten noch das Honorarkonsulat der Republik Guinea. Der hier ansässige Fabrikant Paul Böhringer bekleidete dieses Amt.
  • 1969 flog der Ballon einer Oedheimer Schülerin laut Heilbronner Stimme bei einem Wettbewerb bis zur Elfenbeinküste und wurde dort aus der Hand eines Afrikaners geborgen, der kurz zuvor von Krokodilen gefressen worden war … Soweit einige – noch lange nicht alle - Oedheimer Fakten. Aber nun zu den beweis- und belegbaren Sensationen (Festhalten bitte !):
  • Das schlapp- oder hängeohrige Kaninchen – der Kleintierzüchter heutzutage sagt Widder dazu – wurde 1872 im gesamten deutschsprachigen Raum erstmals in einer Fachzeitschrift beschrieben. Von dem Oedheimer Gutsverwalter Martin Fries!
  • Die "Merkel-Raute" – eine besondere Handhaltung unserer seit erst 10 Jahre amtierenden Bundeskanzlerin bei besonders wichtigen politischen Statements – wurde bereits vor 30 Jahren in Oedheim bzw. seiner schwedischen Partnerstadt Degerfors erfunden. Vom damals amtierenden Oedheimer Bürgermeister Manfred Ley …
  • Und der "Vettel-Finger", den der frühere Formel I-Weltmeister gerne nach Grand-Prix-Siegen in die Höhe reckte, derzeit aber nur selten reckt, wurde bereits 1972 – vor über 40 Jahren also – auf dem Hof der Oedheimer Kochertalschule gezeigt. Und zwar vom Schreiber dieser Zeilen

Ralph Walter

(Alle er- und aufgezählten Daten, Fakten, Erkenntnisse, Erleuchtungen und Sensationen werden derzeit und noch bis ins nächste Jahr in RalphsRetroSchau in der Oedheimer Hauptstraße, am Nabel der Welt also, bei einer Ausstellung dokumentiert.)

Warum ist dieses beschauliche Oedheim, wo auch noch sooo missverständlich heißt und ist und wo der Wowereit früher mal Einöd dazu gesagt hat – dies jetzt aber besser weiß, weil seine Schwägerin da wohnt – der Nabel der Welt, jedenfalls für mich ?
Weil´s von hier, von da aus also nicht nur interne, sondern gar geopolitische Irrungen und Wirrungen, Verwicklungen und Verstrickungen gibt, die unglaublich sind und ihresgleichen suchen.
Wenn man(n) von Heidelberg stammend und kommend, Oedheim besucht, bewohnt oder gar belebt, ist es zunächst nicht Kultur pur, sondern Kulturschock in Potenz. Aber dann beginnt man hinter die Kulissen zu schauen – und dann oho !!!
Das reine pralle Leben in jeder Schublade, auf jeder Ebene, in allen Ausprägungen – Welttheater komprimiert und fokussiert auf eine rund 6000 Menschen fassende Arena mit weltweiten Bezügen, verwobene Fäden in alle Epochen und Bereiche – sich verwurschtelnd und verknüpft an dem Knotenpunkt – dem Nabel.
Also bin ich daran gegangen, diesen Nabel der Welt noch genauer aufzuspüren zu lokalisieren und zu präzisieren. Ist er am oder auf dem Rathaus, dem Sitz des Schultheißen, der bisher immer männlich war und sein Gesäß im Zuge des Um- und Neubaues von vorne nach hinten verlegt hat? Ist er am oder auf dem "Langen Gregor", dem Wasserturm, von wo aus man den besten Überblick hat, wo man erkennt, dass die Welt keine Scheibe ist und hinter ihm noch weitergeht – der aber (1966/67 errichtet und geweiht) inzwischen in die Jahre gekommen ist?
Oder ist er gar im Ortszentrum unterhalb der Kirche an und bei der querliegenden Luise, die seit 1996 Oedheim ver- oder unziert, womöglich gar verschandelt?
Zunächst dachte ich ihn da gefunden zu haben und hab ihn sogar zentriert und markiert. Aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Haaren !
Geopolitische Näbel sind immer dort, wo´s verkehrsmäßig eng zugeht: Gibraltar, Bosporus, Dardanellen, Suezkanal, Nord-Ostsee-Kanal, Panamakanal, Neuenstädter Straße, Hauptstraße, Entengasse, Stoppergasse, Kronengässle, Ilgengasse , RalphsRetroSchau …
Da geht´s verdammt eng zu, da ist es zur Mauritius-Kirche nur x Meter weit - da muss alles durch. Nach oben – Richtung Schultheißenamt – weiten und verzweigen sich die Sicht und der Verkehrsfluss wieder, nach unten Richtung Marktplatz, Ochsenmetzgerei und querliegender Luise ebenso.
Aber hier, bei mir muss jeder/s LKW; PKW, OKG oder EFW vorbei – vor allem wenn´s am WBK wieder mal staut oder gar zu ist, also fast immer.
(LKW=Lastkraftwagen, PKW=Personenkraftwagen, OKG=Ochsenkarrengespann, EFW=Eselsfuhrwerk, WBK=Weinsberger Kreuz) Dann fahren sie nämlich kurz vor Pfedelbach oder bei Gochsen von der A 6 und A 81 runter, lassen den Brambacher Hof links und Degmarn rechts liegen, zwängen sich bei mir vorbei, biegen in Kochendorf ab, fahren kurz neckarabwärts, links hinüber durch Bad Wimpfen und bei Bonfeld wieder auf die A 6.
Ich bekomme dann meinen vor allem freitäglichen Sprachfehler, bestaune die Nummernschilder aus aller Herren Länder, atme tief durch und genieße den Duft der großen, weiten CO2-Welt und ergötze mich am sonoren Dauerbrummen der schweren Maschinen und Motoren. Ich schau den Auspuffwölkchen nach und fange an zu träumen … Wer kennt die Völker, nennt die Namen ?

Vorbemerkung
Unsere Kochertalgemeinde hat in ihrer mehrere tausend Jahre alten Geschichte etwa fünf Arten von Oedheimern hervorgebracht:
- den ersten Oedheimer
- den berühmten manchmal auch berüchtigten Oedheimer
- den engagierten Oedheimer
- der gemeinen Oedheimer (ugspr. Gäulbipper o.a. Bärentreiber)
- den Degmarner, der kein Oedheimer, sondern “eigen” ist.
(Benutzt wird hier ab sofort immer die maskuline Form, wobei sich die feminine, formschönere stets einbezogen fühlen möge, auch wenn sie bei vielen – fast allen – Geschehnissen weniger auffällig wurde oder war.) Auf einige Spezies dieser fünf Gattungen wird im Folgenden mehr oder weniger einzugehen sein, wobei an jeder Stelle über die Art der Darstellung geschimpft oder gescholten werden darf – aber immer nur hinter vorgehaltener Hand! Nicht vergessen werden sollte dabei ein gewisses Augenzwinkern, was der gesamten Geschichtsdarstellung fast nie abträglich sein kann.

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Der erste Oedheimer
Der erste Oedheimer war begeistert! Da hatte doch gerade neben ihm ein Blitz eingeschlagen, ihn glücklicher Weise nicht beim Sch…ßen getroffen, aber einen Haufen Reisig oder trockenes Holz entzündet – und das loderte nun so vor sich hin. Seine erste Begegnung mit Feuer !!! Die Feuerwehr hatte er deswegen nicht alarmiert, denn die war noch nicht vorhanden. Und außerdem gab dieser frühe Brandherd schön warm, wenn man den richtigen Abstand von ihm hatte. Zu weit davon weg kam die Gänsehaut wieder, zu nah dran hielt man es auch nicht aus und die Brust- und die anderen Haare kräuselten sich. Den richtigen Abstand halten war entscheidend und von Nutzen.
Und noch einen Vorteil dieses frühen Brandes erkannte der erste Oedheimer schnell: Aus Versehen war ihm nämlich ein Stück seines Frühstücks-Wildschweins, das er wie gewohnt roh zu verzehren gedachte, in die Glut gefallen. Leicht angebrannt und verkokelt rettete er es, verbrannte sich dabei kurz die Pfoten und schob es dann dennoch in den Mund. Und siehe da! Es schmeckte ihm vieeel besser als so, wie er es bisher zu sich genommen hatte. Ohne es zu wissen und zu wollen hatte er das Braten oder Anbraten erfunden, das in Oedheim bis auf den heutigen Tag sonntäglich um die Mittagszeit gepflegt wird. Seine Frau oder Frauen (evtl. pflegte mann damals noch die Polygamie) wies er jedenfalls an, künftig mitgebrachtes Wildbret aller Art vor dem Verzehr kurz in Feuer zu schmeißen, da es nicht nur ihm danach viel besser mundete als die seither verschlungene Roh-Kost.
Ob er nun gelernter Germane, Franke, Alemanne oder nur ein herunter gekommener – also den Kocher herabgefahrener – Degmarner war, ist dabei völlig wurscht.
Weiblich war er jedenfalls und höchstwahrscheinlich nicht, denn namensgebende und richtungsweisende Frauen gab´s damals noch kaum - die musste man(n) sich nach guter Gepflogenheit und alter Tradition rauben gehen. Und wenn vorhanden, dann hatten sie nichts zu sagen oder zu klopfen, denn dafür waren sie damals nicht ausgelegt – körperlich.
Sprüche und Steine klopfen war Männersache! Generationen später klopfte er nur noch Sprüche und wurde dem Weibe ähnlicher.
Jedenfalls war der erste Oedheimer gerade am Steineklopfen.
Ob er Odo, Odin, Odwin, Edwin, Oedwin, Schanzenbach, Bertsch, Heimberger, Herdecker, Denzer oder Schmitt hieß, ist ebenso ungeklärt bzw. nicht überliefert. Informationen in schriftlicher Form waren historisch noch nicht an der Reihe, also muss – oder darf - ein wenig herumspekuliert werden.
(Der von Grundschulklassen bei Ortsführungen wiederholt gemachte Vorschlag, man könne doch ins Internet gehen, googeln oder bei Wikipedia nachsehen funktioniert in diesem Falle leider auch nicht so ganz …)
Dass es da in unserer Gegend, also da wo heute unser Ort liegt, bereits so früh jemanden gab, ist durch Grabungen und Funde nachweisbar. Steine wurden hier jedenfalls schon vor etwa 6000 Jahren oder mehr geklopft, behauen, geschliffen und gebohrt – siehe oben und unten.

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Ergo muss jemand da gewesen sein, der diese Steinbeile gefertigt, gemacht oder mitgebracht hat – ein Steinzeitler also. Und ordentlich gearbeitet waren diese Werkzeuge auch schon - das muss man unseren Vorfahren lassen. Gefunden wurden davon welche – Beile und Schaber waren es – im Jahre 1951 bei Kanalisationsarbeiten Ecke Neuenstadter und Friedhofstraße und drei Jahre später auch in der Mäurichstraße im Neudorf.
Zu besichtigen sind diese heutzutage im Heilbronner Museum, einige wenige auf dem Oedheimer Rathaus und Gipsabdrücke der Heilbronner Exemplare bei RalphsRetroSchau in der Oedheimer Hauptstraße.
Allein war dieser steinbeilfertigende erste Oedheimer sicher auch nicht vor Ort gewesen – er hatte zum Zwecke der Arbeitsteilung und der Fortpflanzung seine Sippe mit dabei. Motto: Männer ab auf die Jagd, Frauen an den Herd bzw. das Lagerfeuer, Kinder zugucken wie´s geht.

Nach diesen Steinzeitlern, die noch nicht wirklich seßhaft waren vor Ort, kamen Metaller. (Dass die allerdings schon den Grundstein für “die Fahrrad”, später NSU und heute AUDI legten, ist nur ein Gerücht.) Die frühen Metaller waren nicht in der IG organisiert, lernten aber mit Kupfer, dann Bronze und schließlich Eisen umzugehen.
Schmuck, Geräte und Waffen, die sie daraus herstellten, wurden formschöner, filigraner, härter, schlagkräftiger und langlebiger.
Was diese alten Germanen noch nicht beherrschten, war das Schreiben. Wenn schon was Schriftliches, dann in Stein oder Tafeln geritzte Runen – unleserliche und schwer entzifferbare Symbole also, wie sie heute nur noch von Schülern, Ärzten und Apothekern genutzt werden.
Ein einheitliches Volk waren sie nicht, ein Staatswesen und eine gemeinsame Identität hatten sie nicht, selbst schreiben konnten sie noch nicht, unsere Germanen – aber beschreiben ließen sie sich! Und zwar von denen, die diese Fähigheit schon hatten: etwa 80 v.Chr. von einem Griechen namens Poseidonis oder später von Julius Cäsar, dem alten Römer, in seinem Werk “De Bello Gallico” (Vom Gallischen Krieg).
Und von diesen schon Zivilisierten wurden sie gerne auch als “Barbaren” bezeichnet – vielleicht ihrer Art des Essens oder des Rülpsens und Furzens wegen … ???
Der erste, der Oedheim schriftlich und namentlich erwähnte, war dann einer aus Weinsberg – ein Engelhardus, der einem Rüdiger aus Oedheim urkundlich bestätigte, dass dieser einen Weinberg in Gellmersbach dem Kloster Schöntal vermachen dürfe. Folglich dürften unsere Vorfahren damaliger Zeit neben Vieh- und Unzucht auch schon Weinbau betrieben und dem Genusse dieses edlen Gewächses gefrönt oder gehuldigt haben. Religiös und kirchlich aktiv müssen sie auch schon gewesen sein, sonst könnte das genannte Kloster hier keine Besitztümer gehabt haben.
Wie viele von uns es damals waren ??? Das weiß keiner so genau. Vielleicht nur dieser Rüdiger mit seiner Sippe und Dienstmannschaft, vielleicht auch schon eine ganze Sippschaft, vielleicht sogar bereits eine richtige kleine Ansiedlung um die alte Burg am Kocher herum.

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Zwar schrieb der Weinsberger bei der Adresse “odehei” und machte über das Ei ein Strichlein, aber das störte damals keinen – Hauptsache er hatte uns gemeint, denn damit waren wir Oedheimer erstmals urkundlich erwähnt. 1235 muss es also unseren Ort schon gegeben haben, und damit sind wir heuer mindestens 781 Jahre alt – neee jung. Unser Nachbar- und Teilort Degmarn kocheraufwärts soll schon länger da gewesen sein. Er nannte sich früher mal Degmaringen. Orte, die auf –ingen enden, sind alemannischen Ursprungs, solche auf –heim fränkisch. Und weil die Alemannen vor den Franken da waren, müsste Degmarn älter sein – hat aber kein Papier oder keine Urkunde, wo´s drauf steht. Selber schuld …
Was der Engelhardus damals zu Papier brachte, sah so aus, auch wenn er diesmal Oedheim schon wieder anders schrieb – “hodehein” mit einem E über dem O:

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(Die neudeutsche und kurzgefasste Übersetzung: “Ich Engelhard von Weinsberg gebe bekannt, dass Rüdiger von Oedheim, der dort mein Verwalter ist, einen Weinsberg in Gellmersbach mit meiner Zustimmung dem Kloster Schöntal vermacht hat.”)
Und glücklichweise hat sich die OE-Schreibung Ödheims bis auf den heutigen Tag durchgesetzt … Sonst wären wir jetzt womöglich - ganz doof - die “Hodenheiner” oder – nur eine Spur weniger schlimm – die “Ödheimer”.
Bei der ersten urkundlichen Erwähnung gehörte Oedheim zur Weinsberger Herrschaft, danach mal war es ab 1335 vorübergehend “churfürstlich-mainzisch”. Ab 1467 war es im Besitz eines Franz von Sickingen – 17 Jahre später verscherbelte der es wieder den Mainzern und die tauschten es dann schließlich ein paar Tage später an den Deutschorden.

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Bei diesem blieb es recht lange – bis 1805/06 immerhin, als der selbsternannte Kaiser der Franzosen, Napoleon I. ganz Europa umorganisierte und unser Gebiet dem württembergischen König zuordnete. Das Bautzenschloss selbst und das zugehörige Areal drumrum spielte allerdings fast immer eine Sonderrolle. Dort bestanden besondere Besitzverhältnisse, galten Extraregeln und -gesetze, bestand eine andere freiherrschaftliche Hoheit: die der Capler von Oedheim, genannt Bautz.

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Der berühmte Oedheimer
Mit dem Schreiben bzw. mit Schreiberlingen hatten wir Oedheimer es immer schon. Kam doch da 1969 einer aus dem kocher- und neckarabwärts gelegenen gelbfüßigen Heidelberg und meinte, den Oedheimern, Degmarnern, sowie Kochertürnemern und Steinemern Lesen und Schreiben beibringen zu müssen.
Reiner Mumpitz ! Schon weit über 500 Jahre vor ihm war nämlich ein Oedheimer im kurpfälzischen Heidelberg gewesen, weil dort kaum einer lesen und schreiben konnte! Der hieß Paul oder Paulus Baumann und wurde vor Ort Hofgerichtssekretär des Kurfürsten von der Pfalz - ein ziemlich hohes Vieh also offenbar ...

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Warum er so früh schon die Kulturtechniken beherrschte und wie es ihn dorthin verschlug, ist nicht mehr nachvollziehbar. Aber es gab ihn, und seine Grabplatte aus Sandstein findet sich heute noch – ziemlich verwittert zwar – im Kurpfälzischen Museum in der Heidelberger Hauptstraße.

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Weitere Menschen, die den Namen Oedheim in die Welt hinaus trugen, waren drei katholische Theologen: Pater Bernhard Alexander Huss (1876-1948), Dr. Alfons Heilmann (1883-1968) und Prof. Dr. Heinrich Fries (1911-1998).

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Pater Huss – links abgebildet - gilt heute als einer der großen Sozialreformer bei den Bantus in Südafrika und war persönlich befreundet mit dem indischen Friedens- und Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi. Dr. Alfons Heilmann machte sich 1912 durch die Bibelübersetzung – rechts - der “Katholischen Volksbibel” einen Namen. Nicht nur in Fachkreisen ist sein Werk als “Heilmann-Bibel” geläufig und bekannt.

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Prof.Dr. Heinrich Fries wurde zwar in Mannheim geboren und verstarb in München – verstand sich aber zeitlebens als Oedheimer und feierte auch seine Heimatprimiz hier. Er wurde und war einer der ganz großen katholischen Fundamentaltheologen unserer Zeit, der schon recht früh Wege zur Ökumene suchte und begehen wollte – nicht immer zur Freude der “Amtskirche”. Dazu “Der Spiegel” am 23.11.1998 wenige Tage nach seinem Tod:

GESTORBEN Heinrich Fries
Die katholische Kirche müsse "sich davor hüten, eine geschlossene Gesellschaft zu sein, die nur um das eigene Wohl besorgt ist, die die eigene Ruhe und Sicherheit zum obersten Maßstab macht". Solche Worte waren in den letzten Jahren immer wieder von einem Mann zu hören, der sein Leben ganz in den Dienst der Theologie gestellt hatte: Fries, in Mannheim als ältester Sohn eines Schmiedemeisters geboren, wurde 1936 zum Priester geweiht. 1946 erhielt Fries in Tübingen eine Dozentur für Fundamentaltheologie; von 1958 bis zu seiner Emeritierung 1979 lehrte er als Professor in München. Sein Werk umfaßt mehr als 1000 Veröffentlichungen. Er setzte sich für die Überwindung der Spaltung von Katholiken und Protestanten ein, was ihm mehrfach Ärger mit dem Vatikan einbrachte. Über päpstliche Politik geriet Fries in eine Art "heiligen Zorn": Er kritisierte deren "Engführung der katholischen Ethik auf das Thema Sexualmoral", forderte die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche und "Argumente und Dialog" statt Anweisungen. Er wollte kein "Theologe des Systems", sondern ein "Theologe der Probleme" sein. Heinrich Fries starb vergangenen Donnerstag in München.


DER SPIEGEL 48/1998

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Den drei Theologen zu Ehren sind in unserer Gemeinde Straßen benannt, was einem weiteren Oedheimer wohl eher weniger zu Teil werden wird.
Auch er – Franz Mosthav -hat von Oedheim stammend und hier begraben etwas bewegt, nicht immer nur zur hellsten Begeisterung unseres Heimatortes und der hier Heimischen. Er ist bzw. würde in diesen Tagen 100 Jahre alt und wurde Schauspieler, Intendant und Autor mehrerer Bücher. Und er war in all diesen Funktionen eben nicht so stromlinienförmig und angepasst, wie man sich das gemeinhin wünscht, sondern hatte seine Ecken und Kanten, Mucken und Macken. Und die versteckte er nicht, weder schriftlich noch auf oder hinter der Bühne.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versammelte er heimatlos gewordene Kollegen um sich und stellte ein Theaterensemble auf die Beine bzw. Bühne. Mit diesem inszenierte er Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel “Jedermann” – erstmalig erfolgte die Freilichtaufführung am 30. April und 1. Mai 1949 vor dem Oedheimer Bautzenschloss, am Wochenende danach gab es zwei Aufführungen im Alten Friedhof Heilbronn, eine weitere Woche später im Hof der Johannes-Häußler-Schule Neckarsulm.
Aus Mosthavs “Kulturwerk Württemberg-Baden” wurde die “Unterländer Volksbühne”, daraus die heutige BLB – die Badische Landesbühne. Später trat Mosthav in diversen Film- und Fernsehrollen in Erscheinung – nie als Hauptdarsteller, immer verkörperte er aber bedeutende Nebenrollen. Schließlich wurde er Autor von sechs Büchern, deren erstes – die 1998 gedruckten “Dorfgeschichten” – in Oedheim höchst kontrovers aufgenommen und diskutiert wurde.

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Der engagierte Oedheimer
Der engagierte Oedheimer ist der Einheimische, der sich in den Kirchen, Vereinen und ähnlichen Gruppierungen aller Art einbringt und – in welcher Form auch immer – so seinen Anteil am Gemeinwesen und Gemeinwohl leistet. Auch wenn´s den Bullenhaltungsverein oder den Verein der Hermänner, vermutlich mangels Masse, heute nicht mehr gibt, ist das örtliche Vereinswesen immer noch sehr vielfältig und höchst aktiv.

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Ein Festzug im frühen 20. Jahrhundert passiert die erste Oedheimer „Tankstelle“ – eine Zapfsäule links an der Wand des Ladens

Ein Paradebeispiel dafür ist die örtliche Freiwillige Feuerwehr, die in diesen Tagen ihr 150-jähriges Bestehen feiert.
Alle anderen werden deswegen hier nicht im Einzelnen aufgeführt, sondern pauschal erwähnt. Es sind immer noch über 20 an der Zahl. Sie betätigen sich kirchlich, sportlich, musikalisch, züchterisch, politisch – jedenfalls alle demokratisch und freiwillig …
Die Bereitschaft sich zu engagieren und damit eine verbindliche Verpflichtung mit gewissen Regelmäßigkeiten einzugehen ist allerdings seltener geworden.

Der gemeine Oedheimer

Der gemeine Oedheimer, also der normale, gewöhnliche und statistische Durchschnittsoedheimer kommt inzwischen rund 6000fach auf rund 21,26 Quadratkilometern Markungsfläche vor. Sein Leben ist geprägt von Geburt. Ausbildung, Arbeit, Pension oder Rente und dem Tod.
Seine Geburt findet meist in einem der umliegenden Krankenhäuser statt, seine Ausbildung zunächst in dem kommunalen oder den kirchlichen Kindergärten und dann in der heimischen Kochertalschule, die inzwischen – leider ? – nur noch eine reine Grundschule mit 208 Zöglingen und 17 + 9 Lehrkörpern ist. Die früher hier existierende Mittelpunktsschule mit bis zu 747 Schülern (1975/76) und die daraus hervorgehende Haupt- mit Werkrealschule sind 2014 landespolitisch gewollt, von der Kommune eher nicht, in einer Art Nacht- und Nebelaktion von der Bildfläche verschwunden. Oedheims Nachwuchs besucht heute die weiterführenden Schulen in den umliegenden Kommunen.

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Seinen Broterwerb findet er danach kaum mehr in der Landwirtschaft oder Viehzucht und weniger in den relativ seltenen heimischen Handwerks- und Mittelstandsbetrieben, sondern zumeist bei großen Handels- und Industrieunternehmen der Umgebung, also des mittleren Neckarraumes. AUDI ist trotz aller Krisen größter Arbeitgeber der Region, ALDI gibt´s ebenso – vor allem auch LIDL&Schwarz, deren Konzernzentrale in unmittelbarer Nachbarschaft sitzt.
Weitere Großbetriebe und Handelsunternehmen im Umkreis haben dafür gesorgt, dass sich Oedheim zu einer Wohn-, Schlaf- und Pendelkommune mit hohem Wohnwert und guter Infrastruktur entwickelt hat. Alles, was der gemeine Oedheimer – andere aber auch - zum Leben benötigt, kann er vor Ort finden.
Von größeren Grabungs- und Bauaktivitäten geprägt sind die jüngsten Jahre in unserer Kochertalgemeinde nicht – mehr dafür von den in die Jahre gekommenen Bauwerken und ihrer Sanierung.
Die Kochertalschule hat das schon hinter sich, dem Langen Gregor steht´s noch bevor. Der das Ortsbild schon von weitem und das neue Gemeindelogo bei näherem Hinsehen prägende Wasserturm ist heuer 50 Jahre alt, und seine Fassade hat trotz des Tulpenanstriches ein wenig zu bröckeln begonnen. Ob er weiterhin als Wasserreservoir dienen kann oder sich nur noch als Druckbehälter und Sendemast eignet, wird derzeit geprüft, beraten und diskutiert.
Debattiert wird an den Stammtischen und Krisenstäben auch immer noch der Brunnen unterhalb der Kirche - die „Querliegende Louise“, die gerade erst 20 Jahre jung ist. Gefallen mag und muss sie nicht jedem. Als Kunstobjekt hat sie jedenfalls ihren Zweck erfüllt – man redet über sie.

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Oedheims gute Stube, die 1997 eingeweihte Festhalle „Kochana“ (Cochana – keltisch Kocher) hat sich zu einer gut gebuchten und besuchten Kultureinrichtung entwickelt und verleiht dem direkt benachbarten, uralten Bautzenschloss völlig neue Perspektiven: ein gelungener „Quantensprung“ von der Gründung Oedheims in die brandaktuelle Gegenwart auf wenigen Metern nebeneinander.

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Einbringen musste der gemeine Oedheimer – ob er wollte oder nicht – sich auch bei zwei Weltkriegen, die die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts prägten. Egal ob er mit wehenden Fahnen dabei war oder hinter vorgehaltener Hand gegen Gewaltpolitik dieser Art murrte, schimpfte oder kämpfte – er wurde zum Täter oder Opfer. Die letzteren waren zahlenmäßig sicher in der Mehrheit, egal ob zwischen 1914 und 1918 oder von 1933 bzw. 1939 bis 1945.

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Wie viele hundert Oedheimer und Degmarner an den Fronten und bei den heftigen Kämpfen gegen Ende des letzten Krieges in und um unseren Ort um´s Leben kamen, lässt sich an dieser Stelle nicht genau ermitteln. Sicher ist und bleibt nur, dass jedes einzelne Opfer eines zu viel war.

Der Degmarner
Der Degmarner als solcher ist alles andere als ein Oedheimer, auch wenn er 1971 eingemeindet wurde und damit von hier aus verwaltet wird. Dies geschah auf freiwilliger Basis mit Einsicht in die kommunalen Gegebenheiten und nicht in Form einer Zwangsmaßnahme oder Okkupation.
Er ist abstammungsmäßig länger vorhanden, da – siehe oben -alemannisch gegründet und er ist und bleibt „eigen“. Und das ist gut so.
Degmarns Geschichte ist der von Oedheim ähnlich: 1319 als Degmaringen erstmals erwähnt, im 12. Jahrhundert Reichsgut der Staufer, danach im Besitz der Herren von Neideck, von Brettach und von Weinsberg bevor es an den Deutschen Orden und 1806 an den König von Württemberg kam.

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1971 erfolgte der freiwillige Zusammenschluss mit Oedheim. Heute hat Degmarn ca. 800 Einwohner, ist immer noch landwirtschaftlich geprägt – in erster Linie aber Wohnort von Pendlern in die umliegenden Industriebetriebe. Überproportional viele Degmarner arbeiten bei AUDI – Schirmherr dieser Entwicklung soll ein Schirmer gewesen sein bzw. noch sein. Dass die Pluralform von „Auto“ in Degmarn deswegen nicht „Autos“ sondern „Audoner“ heißt, ist nicht wissenschaftlich belegbar.

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Eine wichtige Verbindung zwischen Degmarn und Oedheim wurde die 1907 in Betrieb genommene Kochertalbahn und ist dies heute noch in Form des auf der alten Trasse verlaufenden Kochertal-Radweges.

Ralph Walter/im März 2016

Oedheim macht Urheberrecht auf "Merkel-Raute" geltend !

Die Fakten:

  • Genannte Raute beim Redenhalten ist keine Erfindung der seit 2005 amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern wurde im Jahr 2015 schon 30 Jahre alt.


  • Gezeigt wurde sie er erstmals im Sommer 1985 auf einer Bühne der Oedheimer Partnerstadt Degerfors in Mittelschweden von dem seinerzeit amtierenden Oedheimer Bürgermeister Manfred Ley


  • Seit November 2005 wird diese Geste und Handhaltung von der Bundeskanzlerin ungefragt genutzt und ist zu ihrem Markenzeichen geworden.


  • Ob Merkel damit Urheberrechte verletzt und sich ergo schadenersatz pflichtig gemacht hat, wird derzeit geprüft.


  • Im Erfolgsfalle stünden dem Oedheimer Ex-Bürgermeister

vermutlich Ansprüche im sechsstelligen Bereich zu ...

merkel

Die Beweislage ist erdrückend. Aus meiner Sicht hat Frau Merkel nur wenig Chancen einen Rechtsstreit zu umgehen: entweder sie hält keine Reden mehr und braucht die Handhaltung nicht mehr zu zeigen oder sie kommt in Oedheim bei RalphsRetroSchau vorbei und klärt die Sache vor Ort – Aug in Auge, von Frau zu Mann … Ein Hubschrauberlandeplatz direkt in Oedheim könnte angeboten werden.

Ralph Walter im Oktober 2015

merkelraute

ACHTUNG – SENSATION !!!

Oedheim macht Urheberrecht auf "Vettel-Finger" geltend !

Die Fakten:

  • Genannter Finger ist keine Erfindung des weltberühmten Heppenheimers, sondern wird im Jahr 2016 schon 44 Jahre alt.

  • Gezeigt wurde er erstmals im Mai 1972 auf dem Schulhof der Oedheimer Kochertalschule- seinerzeit als sog. "pädagogisch erhobener Zeigefinger".

  • Seitdem wurde er schon wiederholt genutzt – meist aber missbraucht und zweckentfremdet, vermutlich dank mangelnder Zählkompetenz im Zahlenraum zwischen 1 und 5.

  • n die Höhe gereckt wurde daher oft fälschlicherweise ein Finger daneben, der mittlere, auch Stinkefinger oder "Effe" genannt.

  • Richtig interpretiert wurde und wird er dann erst wieder von dem Weltmeister von der Bergstraße.

  • Ob Vettel allerdings Urheberrechte verletzt hat und sich damit schadenersatzpflichtig gemacht hat, wird derzeit geprüft.

  • Im Erfolgsfalle stünden dem Oedheimer Pädagogen vermutlich Ansprüche im sechsstelligen Bereich zu ...

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Ralph Walter im Oktober 2015

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Paul oder Paulus Baumann von Oedheim

(verstorben 1488)

Ich muss Abbitte leisten respektive die Oedheimer als solche und an sich und in ihrer So-Seientheit und überhaupt um Entschuldigung bitten !
In meinem Lebenslauf hatte ich erwähnt, dass es mich im Jahre des Herrn anno 1969 in die Kochertalgemeinde verschlug, um dort Entwicklungshilfe zu leisten. Seit September 2014 bin ich eines Besseren belehrt und belämmert. Schon im frühen 15. Jahrhundert verschlug es nämlich einen Oedheimer nach Heidelberg, um genau selbigen Dienst dort zu leisten !!!
Um den des Lesens und Schreibens nicht mächtigen Heidelbergern diesbezüglich hilfreich unter die Arme zu greifen, weilte in der kurpfälzischen Hof- und Hauptstadt seinerzeit tatsächlich ein gewisser Paul oder Paulus Baumann aus unserer Kochertalgemeinde – und der war dort nicht mehr und nicht weniger als ein kurpfälzischer Hofgerichtssekretär. Chapeau ! Ein hohes Vieh beim Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, dem Sieger von Seckenheim (nicht Seckelheim bitte!!) also …
Und: Des Lesens oder Schreibens - oder womöglich beides ??? - musste er bereits um 1450 kundig gewesen sein, denn genau das war Aufgabe der Hofgerichtssekretäre. Die adeligen Herrschaften dieser Zeit, oft auch die Richter selbst, beherrschten diese Künste nämlich oft noch nicht.
Aber: Wie kam Paulus dorthin ? Wie wurde er zu dem, was er war ? Wo hatte er sein Kennen, Können und Wissen her ?
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Wurde er als Kindlein wie weiland Moses ins Wasser geschmissen und in Heidelberg kocher- und neckarabwärts von einem gnädigen Adelstöchterlein wieder herausgefischt ? Wo ist dann sein Binsenkörblein ?
Oder war Oedheims in diesen heutigen Tagen und Jahren gerade aussterbende Schule kurz nach 1400 bereits so gut und so weit entwickelt, dass sie einen mit den genannten Kulturtechniken ausgestatteten und vertrauten Zögling zum Studieren ins kurfürstliche Heidelberg entsenden konnte ? Immerhin war dort gerade die erste Universität auf heutigem deutschen Boden gegründet worden. Und da sollte man dort einen Oedheimer benötigen – des Schreibens oder Lesens wegen ??? Unglaublich – aber wahr.
Die Fakten sagen deutlich JA. Sein Grabmal befindet sich im Kurpfälzischen Museum zu Heidelberg, unweit meiner geliebten Kettengasse.
Zu erkennen ist auf der Sandsteinplatte zwar nicht mehr viel von ihm; nicht einmal sein Name ist zu entziffern. Aber glücklicherweise hat ein Wissenschaftler um 1750 dieses Epitaph zeichnerisch in allen Einzelheiten festgehalten, und daher wissen wir heute noch, wie die inzwischen völlig verwitterte Sandsteinplatte ursprünglich mal aussah.
Und ein Wappen hatte Paulus von Oedheim (nicht zu verwechseln mit Paulus von Tarsus; der brachte das Christentum nach Europa, unserer nur das Lesen und Schreiben nach Heidelberg) auch schon. Drei Pflugscharen zeigte es. Wie das frühere Oedheimer Wappen, bevor die Landesregierung diesem 1953 den Fisch verordnete. Zurück zu Baumann . Wenn´s ein Mosthaf, ein Mosthav, Heimberger, Herdecker, Schiemer oder Denzer gewesen wäre – ok. Baumgart oder Keicher wäre auch noch gegangen. Aber Baumann ???
Das ist kein Oedheimer Name, so heißt man nicht ! Das örtliche Telefonbuch von 2013/2014 weist keinen einzigen davon auf.

 

 

 

 

  • Hinter dem Horizont geht´s weiter.
  • Hinter dem Wasserturm auch.
  • Degmarn liegt jenseits von Oede.
  • Die Erde ist eine Kugel.
  • Der gemeine Oedheimer (lat. hippo bipperensius, ugsprl. Gäulbipper) nutzt ausschließlich den Gehweg nördlich der Hauptstraße.
  • Wer das gegenüberliegende Trottoir begeht, verlässt den seriösen und passiert den suspekten Sektor der Hauptstraße.
  • In der Hauptstraße 11 und der Hauptstraße 15 wird gesponnen.
  • Oedheims letzter König war Rex und ein Schwein.
  • Männer sind Schweine.
  • Oedheims letzter Ortseber hieß "Rex".
  • "Rex" wurde vom Gemeinderat verwurschtelt und verzehrt.
  • Vor seinem Ableben demolierte er Hermanns Auto.
  • Dies ist kein "Schoofscheiß".
  • Oedheims vorletzter evangelischer Bürgermeister ging nur kurz zur Kommunion.
  • Das tut man nicht.
  • Oedheims frühere Hauptstraße war die Fahrgasse.
  • In Oedheim gab es auch überzeugte Nazis.
  • Ab jetzt weht hier ein anderer Wind.
  • Wer einmal im Leben vom Kaschtebrunne getrunken hat, kehrt immer wieder.
  • Ralph kehrt auch immer wieder – sampstags.
  • Sampstags wird der Gehweg gekehrt – aber erst um 3.
  • Kaschtebrunnewasser führt zum "flotten Otto".
  • In Sampstag ist ein P drin; man muss es nur sorgfältig aussprechen und genau hinhören.
  • In Manpfred, Ampsel und Sempf ist auch ein P drin.
  • Die Mosthav-Vorfahren waren Muselmanen und Südtiroler.
  • Der Name "Mosthav" stammt von "Mustafa".
  • Mosthav kann man auch mit F schreiben.
  • Die Durchdewald-Quelle speist den Kastenbrunnen.
  • Degmarn ist kein Sackdorf.
  • Oedheim hat einen Bullenhaltungsverein.
  • Es gibt einen Verein der Hermänner mit Vereinsfahne.
  • Degmarn ist älter als Oedheim.
  • Berlin nicht.
  • Berlins Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit ist schwul, und das ist gut so.
  • Er weiß inzwischen, dass Oedheim weder Einöd heißt und ist.
  • Für Degmarn braucht man ein Visum.
  • In Degmarn war man 1861 bereits des Schreibens mächtig.
  • Um 1450 lebte ein Oedheimer am kurfürstlichen Hofe zu Heidelberg, weil er des Lesens und Schreibens mächtig war.
  • Ein Heidelberger wurde 1969 zu den Oedheimern entsandt, um diesen Lesen und Schreiben beizubringen.
  • Der Begriff "Ehrenkäsigkeit" ist eine Oedheimer Erfindung.
  • Der Eintritt zu RalphsRetroSchau ist immer noch frei und bleibt es auch.
  • Spenden werden nicht mehr abgewiesen.
  • Die Anzahl der hier zu Boden geschmissenen Kippen weist auf die Zahl der Schaufenster-Gucker hin.
  • Der Betrieb dieser Einrichtung rentiert sich ab dem Jahr 2019 oder so.
  • Ralph kann auswendig und ohne Taschenrechner auf 3 zählen.
  • Ralph kann nicht auf 95 zählen.

Tobi continued

Der Versuch schlug zunächst einmal fehl.
Seinen „Antrag auf Erteilung der vollumfänglichen Narrenfreiheit für den Hoheitsbereich der Gemeinde Oedheim“ hatte RetroRalph zwar auf der Amtsstube dabei – aber der richtige Ansprechpartner im Schultheißenamt konnte – noch – nicht ermittelt werden. Die nette Frau Kn. vom Bürgerbüro meinte, dass eventuell zunächst ein Antrag auf Einbürgerung gestellt und positiv beschieden werden müsse. Nach Vorlage der entsprechenden Urkunde sei dann vermutlich die sicher ebenso nette Frau Gr. im Büro nebenan zuständig, da Vergnügungen aller Art in deren Ressort fielen.
„Das wird schwierig …“, konstatierte der zufällig vorbeieilende Bürgermeister Schm. höchstpersönlich, als RetroRalph ihm sein Ansinnen vortrug..
Der junge Schultes war zu diesem Zeitpunkt noch keine 100, sondern erst 39 Tage im Amt, und wahrscheinlich war ihm ein solcher Fall in seiner recht kurzen Beamtenlaufbahn noch nicht unter die Augen, zu Ohren oder auf den Schreibtisch gekommen. Den Vorschlag, ein entsprechendes Gesuch in formloser Form an das Kommunalparlament – den ehrwürdigen Gemeinderat also – zu richten, hielt er immerhin für nach- oder überdenkenswert.
Sprach´s und stieg die Karriereleiter – in diesem Fall die Rathaustreppe – weiter nach oben…
Ein weiterer netter und zuständiger Fachbereichsleiter des Bürgerbüros – Herr E. -knöpfte RetroRalph 12 Euro cash ab für eine Bescheinigung in Papierform, wonach er geboren, verheiratet, geschieden und im Prinzip vorhanden sei, obwohl ihm dies von mehreren amtlichen Ämtern und Gerichten schon zum jeweils aktuellen Zeitpunkt attestiert und per Stempel beglaubigt worden war.
Diese Dokumente aber, so sprach der Beamte, hätten eine recht kurze Halbwertszeit bzw. ein rasches Verfallsdatum , verlören ergo rasch ihre rechtliche Gültigkeit und müssten nach etwa einem halben Jahr wieder neu ausgestellt werden.
Immerhin hatte RetroRalph besagtes Dokument nun frisch und sattblau gestempelt – also momentan aussagekräftig und von beachtlichem beamtlichen Wert.
Sogar gefaltet und in einem DIN-lang-Umschlag hätte er es ohne Aufpreis und Mehrkosten bekommen können, was er jedoch dankend ablehnte.
Seinem Vorschlag, ihm hierfür im Gegenzug eine Spendenbescheinigung auszustellen, die er beim Finanzamt steuerlich geltend machen könne, kam man hingegen nicht nach. Mündlich wurde diese Ablehnung zwar nicht zum Ausdruck gebracht – die hochgezogenen Augenbrauen des noch immer freundlichen Referenten sprachen jedoch eine deutliche Sprache und waren ausdruckskräftiger als Worte …

Besagte Narrenfreiheit aber – sollte er sie sich nun einfach nehmen und abwarten was geschieht? Oder war sie ihm vielleicht sogar automatisch zugefallen dank der Gnade seiner badischen Geburt?

presse100

Immerhin hatte es ja 300 Jahre vor ihm ein auswärtiger Ausländer in seiner gelbfüßigen Heimatstadt Heidelberg zum kurfürstlich anerkannten Hofnarren gebracht! Wie die Oedheimer Mosthaf/v´s stammte selbiger aus Südtirol und war Karl dem Dritten Philipp von der Pfalz dort aufgefallen. Jener war vor Ort beeindruckt von der Trinkfestigkeit und Schlagfertigkeit des 3 Fuß und 6 Zoll kleinen Zwerges, stellte ihn in seine Dienste, packte ihn in seine Reisetruhe und nahm ihn mit nach Heidelberg.
Hier hatte er die adeligen Herrschaften und Dämlichkeiten, die die Stadt mit ihrem Besuch ehrten, zum Lachen zu bringen und dafür zu sorgen, dass das weltberühmte Große Fass im Heidelberger Schloss nicht voll blieb oder gar überlief.
Das mit der adeligen Belustigung gelang ihm recht gut, wie der Kurfürst von Bayern und der Deutsche Kaiser um 1710 bezeugten.
Das mit der Trinkfestigkeit schaffte er zumeist – aber nicht immer. Sein Quantum, das er täglich zu verarbeiten ( Müller W. hätte gesagt: „zu bemannen“) hatte, betrug 15 doppelte Flaschen Rheinwein. Gelang ihm das nicht, peitschte man ihn aus.
Schließlich hatte er ja sogar seinen Ruf- und Künstlernamen Perkeo ob seines Durstes erhalten. Denn immer, wenn man ihn auf ein Schlückchen oder einen Schluck einlud, war seine in Italienisch gehaltene Antwort „Perche´ no?“ – Warum nicht …?
RetroRalph wurde – allen Oedheimern sei Dank - noch nie ausgepeitscht, obwohl er dem C2 H5 OH (rückwärts: Herr Ober 5 Helle 2 Cognac) seit vielen Jahren völlig entsagt hatte. Einen Kaiser oder Kurfürsten hat er auch noch nicht zum Lachen gebracht und manchen Oedheimer gleich gar nicht.
Einen Innenminister hingegen hatte er kurz zuvor zum Zitieren gebracht. Allerdings war dieser kurz darauf kein Innenminister mehr, was wohl nicht auf das Deklamieren von RetroRalphs Nabel-der-Welt-Bild, sondern auf das unverständliche Wahlverhalten der Baden-Württemberger zurückzuführen gewesen sein dürfte.
Trotzdem duldet man RalphsRetroSchau - allen Oedheimern sei immer noch Dank – weiterhin mitten im Ort. Vielleicht geschieht das manchmal ein wenig zähneknirschend … macht aber nix, denn Dentisten zum Reparieren knirschgeschädigter Kauwerkzeuge sind auch unweit vor Ort.
Und die Narrenfreiheit ??? RetroRalph fragt jetzt nicht mehr nach ihr, sondern nimmt sie sich einfach.

Ralph Walter/im April 2016

Kessler kennt und wäre stolz auf Oedheim !
KESSLER-Sekt (Schreiben vom 9. Januar 2017)

kessler
strafbank

Eine ganz besondere Einrichtung ziert seit einigen Wochen den Oedheimer Ortskern zwischen Volksbank und Schultheißenamt:

Die Strafbank oder Eselsbank
Auf dem Dachboden gefunden und zur Verschönerung der Ortsdurchfahrt gestiftet wurde sie von einem naheliegenden Seniorgastwirt, der noch in diesem Jahr auf die 70 zugeht und eine solche Einrichtung evtl. in der eigenen Schulzeit und noch am eigenen Leibe erlebt hat.

strafbank-eselsbank

Gedacht ist sie für abgeschlaffte Passanten, für müde Zecher, für Gäste der Lokalität, die eine ziehen oder einen ziehen lassen wollen, was beides drinnen unerwünscht respektive verboten ist. Raucherpausen-Einleger sollten jedoch nach Verrichtung ihres qualmenden Geschäftes den ebenfalls bereitgestellten Sand-Eimer nutzen und ihre Kippen nicht wahllos in der Gegend oder auf dem Gehweg herumschmeißen. Genutzt werden sollte die Bank – im Gegensatz zur unweit auf der gleichen Straßenseite befindlichen Volksbank – jedoch nicht zum Deponieren von Geld, Gold oder anderen Wertgegenständen, auch wenn sich mittig darauf eine zu öffnende und verschließbare Klappe befindet. (Es handelt sich dabei nicht um einen Nachttresor o.ä., sondern um das frühere Behältnis für ein Tintenfass.) Insbesondere von Wert ist die Bank für solche, die einen zu viel in der Krone hatten und des Wankens oder Kriechens müde geworden sind. Richtig herum besetzt, d.h. mit dem Rücken zur Straße und zur Kirche, dient sie auch immer der Allgemeinbildung oder Erheiterung, da in dem dann zwangsweise anzublickenden Schaufenster meist erquickliche Texte oder Informationen anderer Art zur Fort- und Weiterbildung einladen. Eine verkehrtene oder verkehrt herumene Besetzung hingegen kann zu Verkehrs- und Passantenzählungen aller Art genutzt werden. Allerdings ist dabei die Beherrschung des Zahlenraumes von 100 an weit aufwärts zwingend erforderlich, da an dieser Engstelle der Oedheimer Ortsdurchfahrt zunehmend und viel Verkehr gemacht wird. Als andere Nutzung wäre auch die sportliche Variante wie beim Eishockey in Form der Strafbank denkbar. Aus Krone oder Kirche verwiesene Besucher und Gäste könnten so überdacht und vor Blicken leicht verborgen ihre Zwei-Minuten- Strafe absitzen. Zu den historischen Dimensionen:

Auf der Eselsbank
Als der liebe Gott alle Tiere geschaffen hatte, die Fische im Wasser und die Vögel in der Luft und die Tiere des Landes, da befahl er, dass jedes von ihnen etwas lernen sollte zu Nutz und Freud der Menschen. Er schickte einen Engel herab auf die Erde, dass er jedem Tierlein seine besondere Kunst lehre. Der ließ nun die Tiere auf einem großen, freien Platze im Paradies zusammenkommen und tat ihnen den Willen des Schöpfers kund.

»Ich werde«, sprach er, »jedem seine Aufgabe genau vormachen. Gebt gut acht! Und wenn ihr mir zugesehen habt, wie jedes Ding zu machen ist, so übt euch so lange, bis ihr es ordentlich könnt, damit ihr bald nützliche Geschöpfe Jehovas werdet!«Nun fing er an und lehrte den Fisch das Schwimmen, die Spinne das Weben, die Nachtigall das Singen und den Finken den kunstvollen Nestbau, die Katze das Mäusefangen, die Kuh die Milchbereitung und so fort, jedem Tier und Tierlein etwas anderes. Alle freuten sich der nützlichen Kunst und übten sie früh und spät.Endlich kam der Esel an die Reihe. Der sollte ein Schnellläufer werden.

Aber so oft ihm auch der Engel den leichten Schritt, den raschen Gang, den flinken Galopp vormachte, niemals brachte er den Esel dazu, seine Füße rascher zu bewegen; träg trollte dieser neben ihm her oder hinter ihm drein. Da ward der Engel ungeduldig und rief ärgerlich: »Mir scheint, dir ist das Lernen zuwider?« »Iah!« schrie der Esel. »Also bist du faul?« »Iaaah!« »Du willst lieber ein dummes Vieh bleiben, als etwas lernen und dem Menschen dienen?« »Iaaah!«Das verdross aber den Engel gar sehr. Mit einer langen Rute trieb er das faule Geschöpf aus den Reihen der fleißigen Tiere, stellte es zuhinterst im Garten und verbot ihm, sich je wieder unter den andern sehen zu lassen. Der Esel schämte sich zwar und weinte bittere Tränen; aber die Lust zum Lernen kam ihm doch nicht. Seitdem muss er Karren ziehen, Säcke tragen und andere niedere Dienste leisten und bekommt als Lohn Disteln und Schläge. »Eselsbank« aber heißt der letzte Platz in der Schule bis auf den heutigen Tag.
bank

Die Strafbank ist ein Begriff, der im Sport verwendet wird.

Im Eishockey ist damit die Bank gemeint, auf die sich ein Spieler setzen muss, wenn er im Spiel vom Schiedsrichter eine Zeitstrafe, i. d. R. eine Zwei-Minuten-Strafe, aufgrund eines regelwidrigen Verhaltens auf dem Spielfeld bekommt.
Die Strafbank liegt normalerweise gegenüber der Spielerbank, damit der Trainer dem bestraften Spieler keine taktischen Anweisungen geben kann – in älteren Stadien kann sie sich auch zwischen den Spielerbänken befinden.
Die Strafbank ist unterteilt in zwei Teile: die eine Hälfte ist für die Spieler der Heim-, die andere Hälfte für die Spieler der Gästemannschaft "reserviert", wobei die Zuordnung – wie bei der Spielerbank – vor Beginn erfolgt und während des Spiels nicht geändert wird. In älteren Stadien kann die Strafbank noch aus einer einzigen Holzbank bestehen, während sie in den meisten Stadien heute aus zwei getrennten Bänken besteht. (Quelle: Wikipedia)

Das Eishockeyspielen ist zu jeder Jahreszeit auf der Oedheimer Hauptstraße allerdings strikt untersagt!

Wenn der Kronenwirt vor meinem linken Schaufenster erscheint (mein Links – von draußen ist es das rechte), dann hat er mir was zu sagen! Das sind in über zwei Jahren gewachsene Erfahrungswerte.
Wenn er sich dann noch eine Zigarette dabei anzündet, wird´s höchste Zeit, dass ich mich spute und hinauseile.
Selbst hereinzukommen geht eher nicht und ist die absolute Ausnahme – da ist er zu sehr waschechter Oedheimer. Da hilft auch meine Fußmatte wenig bis nix, auch wenn d´raufsteht: "Kommen Sie rein – können sie rausschauen."
Selbst hereinkommen geht nur unter Umständen oder wenn´s nicht anders geht. Wenn z.B. fremde Frauen, oder überhaupt Frauen, oder Menschen oder sonstige Gefährdungen drin sind, die man von draußen selbst bei näherem Hinschauen nicht identifizieren kann. Wenn also Gefahr im Verzug ist. Da darf´s ja angeblich und laut Tatort auch die Polizei ohne Hausdurchsuchungsbefehl – reinkommen oder so.
Manchmal hat der Kronenwirt dann einen Spruch auf Lager, der ihm beim Betrachten meines Schaufensters in den Sinn gekommen ist und den er dann loswerden muss, bevor´s zu sehr auf den Magen drückt oder schlägt.
Möglicherweise wurmen ihn dann mal wieder die großherzoglich oder überhaupt badischen Insignien: die gelb angesprühten Tennissocken vielleicht oder die gelbe Postkarte mit dem roten Schrägstreifen und der Inschrift "Wir haben nichts gegen Schwaben – jedenfalls nichts was hilft." Oder es drückt ihn, dass ich eigenmächtig von Beginn an mein Etablissement zum großherzoglich-badischen Generalkonsulat deklariert habe und dies auch noch per Schild am Eingang kundtue.
Vielleicht ist ihm dann aber auch wieder eingefallen, dass er mir in grauer Vorzeit Lokalverbot androhte, als ich ihm damals meine Absicht kundtat an meinem gelben Manta (das war ein antikes Opel-Modell kurz nach Fords Modell T, der Tin Lizzy = der Blechliese) einen Aufkleber anzubringen, dessen Aufschrift besagte: Es gibt Badische – und UnsymBadische.
Gedacht hatte ich mir dabei nix Böses, höchstwahrscheinlich jedenfalls. Den Aufkleber aber installierte ich nicht. Des Kronenwirts damaliger Stammtisch und dessen Informationen vor allem in Krisenzeiten waren mir zunächst wichtiger.
Jedenfalls regen meine Schaufenster-Dekorationen ihn immer wieder zu einem Zitat aus seinem reichen Alt-Oedheimer Erfahrungsschatz an, manchmal nur ganz leise, fast widerwillig und hinter vorgehaltener Hand.
So als er meine selbstgestrickte Ernennung zum großherzoglich-badischen Generalkonsulat registrierte.

Zitat Kronenwirt: "Was wär´n die Württemberger ohne Baden ? Drecksäu wäre se – rechte Drecksäu." Dass dies für für alle Menschen oder Landsmannschaften gilt, die die Badewanne nicht nutzen, schob er allerdings gleich hinterher, um dem Badenser den Sinn der Botschaft zu erschließen und um ja keine Missverständnisse aufkommen zu lassen …

Und dass jeden Tag, so das Sprichwort, eine neue Sau durch´s Dorf getrieben wird, muss er als Wirt und Stammtischparolen-Zu- und Mithörer wohl selbst am besten Wissen. Ja - er hatte dies in den 70/80er-Jahren einst selbst praktiziert, als ihm eine entwischte und auf diese Weise dem vorzeitigen Ableben entkommen wollte. Der Kronenwirt aber war schneller …
Und als eines Tages Oedheims letzter amtierender König, der Ortseber Rex – auf den an anderer Stelle der Doofgeschichten einzugehen sein wird, im Schaufenster prangte, erweckte dies den Heinz Ehrhardt in ihm und er rezitierte diesen vor dem Schaufenster, dem – aus seiner Sicht rechten, aus meinem Blick linken:
Der Eber ist oft missgestimmt,
weil seine Kinder Ferkel sind.
Nicht nur die Frau, die Sau alleine,
nein die Verwandtschaft alles Schweine.

Letztmalig zündete er, der Kronenwirt, sich eine Zigarette draußen an und Ralph eilte stante pede, also stehenden Fußes, augenblicklich, flugs, gleich, postwendend, prompt und schnellstens hinaus. Meiner ansichtig werdend, (das mit dem schmelzenden Schnee am Gehweg zusammengeschobene kleine aber erkennbare Häufchen von Zigarettenkippen, und Feuerwerkskörperüberbleibseln war schneller und schon vor mir da gewesen) wies er auf den aktuellen Wochentag hin: "Heut is Samstag." Ich konnte das nur bestätigen. Trotzdem wiederholte er: "Heut is Samstag !" Das unausgesprochene Ausrufezeichen war hörbar geworden, sein Blick Richtung Häufchen sogar sichtbar.
Ralph wagte einen leisen Einwand mit Verweis auf das sog. Urheberprinzip, dem zu Folge das Häufchen nicht von ihm stamme.
Das war zuviel badischer Renitenz (die Residenz war da schon nicht mehr in Karlsruhe): "Heut is Samstag – heut wird g´fegt!!!"
Der badische Widerstand brach in sich zusammen, die Einsicht brach aus und die alemannisch-fränkisch-schwäbische Logik hatte gesiegt.
Ralph fegte unverzüglich noch am späten Vormittag – zumal der Kronenwirt noch fürsorglich nachgefragt hatte, ob man im Besitze eines Besens und einer Kutterschaufel sei. Frech hatte der Gelbfüßler darauf entgegnet, dass diese Insignien schwäbischer Kultur auch im Badischen bekannt und verbreitet, sowie im Laden selbstverständlich vorhanden seien Als Symbol der Aufmüpfigkeit stellte er hinfort zu den folgenden Samstagen ein Schild auf das Trottoir mit dem Zitat des Tages: Heut is Samstag – heut wird g´fegt!.
Er selbst aber beherzigte dies fortan, fegte regelmäßig am späten Vormittag kurz vor Ladenschluss und wies auch vorbeieilende Passanten darauf hin, dass Samstag sei und daher gefegt werde.
Bis eines weiteren, späteren Samstags ein heimischer Franz ihm kurz und patzig die höheren schwäbischen Weihen verpasste: "Aber erscht um drei !!!!!"
Von da an war es mit regelmäßigen Fegen vorbei und das bedarfsgerechte wurde eingeführt.
Einen weiteren Stilbruch beging Ralph mit seinen Ladenöffnungszeiten, die dem gelernten Einheimischen und Ureinwohner einen Besuch der Schau leider unmöglich machen: "Ihre Öffnungzeiten sind blöd – um Fünf wird g´veschpert."

Extrakt:

  1. Samstags wird g´fegt – aber erscht um drei !
  2. Ladenöffnung von 4 bis 6 ist blöd, weil um 5 wird g´veschpert !
  3. Baden sollte ein jeder, unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat, Herkunft, Glauben, Weltanschauung.

– von Manfred zu Manfred

Ley und von der Leyen klingen ziemlich ähnlich, sind aber vermutlich nicht verwandt und verschwägert. Und Manfred Ley und Manfred Wörner haben wahrscheinlich auch nur den gleichen Vornamen (in dem eigentlich ein P drin ist, wenn man genau hinhört: Mampfred – so wie bei Sempf und Ampsel).
Was haben Ley und von der Leyen, Wörner, Sempf und Ampsel jetzt wieder miteinander bzw. mit Oedheim zu tun? Um 1988 wurde in der Kochertalgemeinde eine Ortskernsanierung angezettelt, Fördermittel wurden beantragt und bewilligt, die Sanierung geplant und realisiert.
Manfred Ley war der seinerzeitige Bürgermeister, Dorfschultes, Schultheiß, Schulz oder wie auch immer man ihn nennen mochte.
Manfred Wörner war der seinerzeitige Bundesverteidigungsminister und für den Kalten Krieg zuständig, den es damals noch, so wie heute wieder gab.
Die Sanierung des Dorfes jedenfalls musste ordentlich vorbereitet werden, dazu sollte der Ort von oben, aus der Vogelperspektive also, begutachtet werden – und daher ging man in die Luft. So wie das HB-Männchen, das es damals noch gab und das täglich in die Luft ging, wenn es nicht ganz schnell eine rauchte.
Weil man damals noch nicht zu Fuß in die Luft gehen (damals hatten Handys auch noch eine geringelte Schnur dran und waren per Kabel irgendwie an einer Wand festgemacht) konnte, orderte man(fred) einen Hubschrauber und gingen in die Luft: der Pilot (ein Bernd), der bereits genannte Manfred, der Hauptamptsleiter (ein Wolfgang) und der Schreiber dieser Zeilen (ein Ralph mit PH ohne Z).
Weil damals aber Kalter Krieg war und die Luftwaffe daher noch Tiefflug üben musste und weil die Zuckerraffinerie in Offenau ein Übungsziel und Oedheim daher Tiefflugzone war, düsten dem friedfertig umherschwirrenden Hubi (Helikopter) drei Phantoms (Kampfjets) in die Quere.
Sie hatten in etwa die gleiche Höhe, kamen von rechts und hatten daher eigentlich Vorfahrt. Auch waren sie deutlich schneller, aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung war auch keinem der Beteiligten bekannt. Manchmal flogen sie sogar so schnell, dass sie einen Knall ließen und die Scheiben klepperten, schepperten oder zumindest erzitterten.
Jedenfalls kamen sie auf gleicher Höhe von rechts. Und so sprach Bernd der Flieger: "Die fliegen auf Sicht!" und stellte seinen kleinen Hubschrauber quer, auf dass ihn die Phantoms besser sähen mögen. Und den photographierenden Schreiber dieser Zeilen wies er an, weiter zu knipsen – auf dass wenigstens Bilder blieben so es denn zu einem Auffahrunfall käme. Letzteres sagte er so nicht, dachte dies aber wohl.
Bis er dies fertig gedacht hatte, waren die Phantoms aber auch schon vorbei – der eine hatte nach rechts abgedreht, der andere nach links, der dritte flog drunter oder drüber vorbei. Und zurück ließen sie einen verdatterten Hubschrauber, der nicht wusste, wie ihm geschehen war. Seine vier Insassen gleich gar nicht. Manfred der Schultheiß aber ließ die Sache mit dem Beinahe-Crash nicht auf sich beruhen. Er schrieb in seiner Dorfschulzeneigenschaft einen geharnischten Brief an den anderen Manfred. Der war damals Bundesverteidigungsminister und ein gebürtiger Wörner.
Und jetzt kommt der fast sensationell anmutende Zusammenhang zwischen Ley und von der Leyen: Manfred I. beschwerte sich bei Manfred II. weil der für die Vielfliegerei verantwortlich und zuständig war. Wäre dies in heutiger Zeit geschehen, hätte Ley sich bei von der Leyen beschweren müssen.
Die ist eine gebürtige Albrecht, war damals gerade 30 Jahre jung und ist jetzt für G36 und Vielfliegerei zuständig. Außerdem ist wieder Kalter Krieg.
Nur die Viel- und Tieffliegerei ist nicht mehr ganz so schlimm, weil die Waffen der Frau (der Frau von der Leyen) etwas stumpf geworden sind. …
Im Falle der Gewehre schießen sie ein wenig krumm oder kreuz und quer – im Falle der Flugzeuge bleiben sie wegen Fluguntauglichkeit mehr am Boden…

Nachtrag: Auf seinen geharnischten Beschwerdebrief bekam Manfred I. von Manfred II. allerdings keine Antwort mehr, denn letztgenannter wurde wenige Tage später erster deutscher NATO-Generalsekretär und sein Nachfolger im Amte wurde Rupert Scholz. Der antwortete auf das Schreiben mit einer gewissen Verzögerung und so wie Politiker es zu tun pflegen. Er zeigte volles Verständnis für die Sorgen und Belange der Bürger und des –meisters, machte aber deutlich, dass die Sorgen und Belange und die Sicherheit der Bürger im Kalten Kriege Vorrang hätten vor der Flugsicherheit eines zu tief umherbrummenden Helikopters und seiner Insassen. Und er schrieb viele Worte, die nichts sagten.